Stockholm mit Kindern

 

Allgemeines

Wir haben uns vorher bei Instagram viel mit anderen Reisebloggern ausgetauscht und können deren Eindruck nur unterstreichen: Stockholm ist eine wahnsinnig kinderfreundliche Stadt. In fast allen Restaurants und Cafés gibt es Hochstühle für Babies und Kleinkinder, Babynahrung kann entweder selbst in einer Mikrowelle erwärmt werden oder wird problemlos in der Küche erwärmt, selbst die kleinsten Supermärkte haben ein Obstgläschen oder Quetschbeutelchen für den Hungernotfall und vor allem, nach den Erfahrungen in Berlin: Es gibt funktionierende Aufzüge und/oder Rampen (die können auch nicht kaputt gehen!), um mit dem Kinderwagen die Tunnelbanan nutzen zu können.

Verkehrsmittel

Selbst das Kopfsteinpflaster in der Altstadt Gamla Stan war kein Problem, da hatten wir in Amsterdam ganz andere Probleme. Mit Kind im Kinderwagen fährt man als Erwachsener in Bussen übrigens umsonst, die Kinder sind sowieso frei. Mit unserer 72h-ÖPNV-Karte sind wir super zurecht- und überall angekommen.

Wir sind vom Flughafen nicht mit dem Arlanda Express per Zug gefahren, weil er das Dreifache von unserem Flygbussarna gekostet hätte und der Bus in unmittelbarer Nähe des Hotels hielt. Im Bus gibt es keine Kindersitze o.ä., den Kinderwagen muss man in den Kofferraum legen. Muss man sich also überlegen, ob man sein Kind so ungesichert auf den Schoß nehmen will. Die Fahrt im Bus dauert je nach Strecke nämlich schon 45 Minuten.

Die Busse sind vor allem zu den Schließungszeiten der Museen rund um Djurgarden recht voll, in der U-Bahn hat man bessere Chancen, einen Platz (vor allem mit Kinderwagen) zu ergattern.

Toll ist natürlich gerade für Kinder auch die (im Tarif inkludierte) Bootsüberfahrt von Slussen nach Djurgarden.

 

Unterkunft

Wir waren im Hostel/ Hotel Zinkensdamm in Södermalm im Familienzimmer mit eigener Dusche/WC- zentral, weitgehend barrierefrei, Selbstversorgerküche mit Kühlmöglichkeiten aber auch Bar/Restaurant/ Café im Haus. Im Sommer kann man dort sicher auch toll draußen sitzen und Räder ausleihen.

 

Sightseeing

Junibacken

Im Junibacken Museum werden die Charaktere von Astrid Lindgren und anderen schwedischen Autoren „lebendig“, bzw. kann man in ihre Welt eintauchen. Also in der Villa Kunterbunt rutschen und den „Kleinen Onkel“ striegeln, im Werkzeugschuppen von Petterson und Findus spielen, Willi Wiberg fliegen sehen, Mama Muh melken, und und und.

Das Herzstück ist der „Storytrain“, der durch die Geschichten Lindgrens führt, die in Miniatur nachgebaut sind. Während es noch munter startet, mit Ida am Fahnenmast und Emil aus Lönneberga, wird es im Wald von Ronja Räubertochter oder der böse Drache Katla aus den Brüdern Löwenherz sind dann doch eher dunkel und unheimlich, wenn auch sehr beeindruckend. Da es hier keine Altersbeschränkung gibt, sollte man überlegen, ob es den Kindern nicht zu unheimlich ist. Wenn dem so ist, würde ich für den Eintrittspreis von 179 SEK für Erwachsene und 129 SEK für Kinder ab 3 Jahren (geteilt durch 10 ergibt derzeit etwa den Europreis) überlegen, ob sich der Besuch hier lohnt.

Witzig ist das Restaurant: Als „Circus“ dekoriert kann man hier an langen Tafeln essen, es gibt Babybrei zu kaufen und auch Kindermenüs mit Köttbollar oder Pfannkuchen.

Ich fand es toll und es ist in dieser Art einzigartig. Und da Astrid Lindgren Bücher bei uns auch zum Repertoire gehören und mein Lehrerherz höher schlagen lassen, war es selbstverständlich, dass wir dort hingehen. Aber „nur“ für die Spielräume, wäre mir der Eintritt zu hoch gewesen.

 

Skansen

Das Freilichtmuseum Skansen liegt auch auf Djurgarden. Hier sind Kinder bis 4 Jahren noch frei und danach kostet der Eintritt 60 SEK für Kinder und 125 SEK für Erwachsene. Hier sind alte schwedische Häuser zu sehen (laut unserer schwedischen Freunde wurden wohl tatsächlich ganze Häuser dort rübergebracht, zu Ausstellungszwecken), das leben im ländlich geprägten Schweden (früher) gezeigt, Arbeiten der Bauern und Handwerker. In einem kleinen Zoo gibt es schwedische Tiere (und mittlerweile auch andere) zu bestaunen, im Lill Skansen können Kinder z.B. „unter“ dem Kaninchenstall stehen und durch Halbkugeln aus Plexiglas Auge in Auge mit den Tieren sein.

Picknickplätze oder auch ein Verkaufsstände laden zum Verweilen ein, im Café gibt es Kanelbullar und Ponyreiten für die Kinder wird auch angeboten. Es ist wie gesagt ein Freilichtmuseum, also ist es bei Dauerregen dort wohl nicht so schön, wie wir es jetzt erlebt haben. Es ist ziemlich hügelig, also mit Kinderwagen schon anstrengend zu laufen, aber dafür durchgängig barrierefrei und gut beschildert.

 

Gamla Stan

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Die Altstadt war für uns wohl das schönste Fleckchen von Stockholm, erinnert mit seinen engen Gassen an das Schnoorviertel in Bremen und mit dem Kopfsteinpflaster an die Royal Mile in Edinburgh. Das Kungliga Slottet, der Königspalast, steht mittendrin und täglich kann man sich dort den Wachwechsel ansehen (zum Glück nicht so voll wie in London). Die königlichen Museen/ Rüstkammer, etc. haben wir nicht besichtigt, sondern sind lieber durch die Stadt geschlendert. Wenn man die ganz touristischen Läden mit ihrem Gedöns ignoriert, findet man tolle kleine Läden mit besonderem Handwerk. Von den vielen Cafés und Restaurants, besonders um den Stortorget- Platz herum, wo auch die berühmten bunten Häuschen stehen, gibt es tolle Gelegenheiten zu essen. Mit 3 Kindern in 2 Kinderwagen sind wir in das Bistro der Stadtmission gegangen (also gleich Charityarbeit geleistet), wo es zu wirklich fairen Preisen eine kleine Karte mit warmen Mittagsgerichten oder Nachmittagsleckereien gibt.

Bei schlechtem Wetter kann man sich in die Kirchen oder das Nobelmuseum flüchten, besonders bei den Kirchen ist aber (insbesondere sonntags!) auf die Besuchszeiten zu achten!

 

Vikingaliv

Auch das Wikingermuseum ist auf Djurgarden und lädt mit seinem Wikingerschiff vor der Tür zum Fotos machen ein. In der Ausstellung (149 SEK für Erwachsene, Kinder bis einschließlich 6 Jahre frei) wird das Leben der Wikinger mit Filmen und Exponaten zum Anfassen dargestellt. Für Kinder gibt es eine Verkleidungsecke, in der sie zu Wikingern werden können. Auch darf man sich ins Wikingerboot setzen oder ausprobieren, wie schwer eine Streitaxt wirklich war. Dieser Museumsteil ist nur auf einer Etage und man ist doch recht schnell durch. Den großen Teil des Untergeschosses nimmt „The true Adventure“ ein, in der man- in einem Boot/ Fass sitzend die Geschichte von Ragnfrids Saga erzählt bekommt. Auf der Homepage des Museums nicht für Kinder unter 7 Jahren geeignet, denn es ging bei den Wikingern im Kampf um Silber und Ehre schon heftig her. Für Kinder gibt es aber Kopfhörer, wobei der Sound nicht wirklich erschreckend war und auch die Darstellungen waren nicht zu explizit. Die Kombination aus Musik, Geschichte und Lichteffekten machte es abenteuerlich, aber nicht gruselig. Trotzdem auch hier wieder die Überlegung, ob man das mit seinem Kind machen kann- sonst lohnt sich der Eintritt nicht.

Kinderwagen sind übrigens „aus Sicherheitsgründen“ auch in diesem Museum nicht erlaubt, es gibt aber einen (überdachten) Buggyparkplatz neben dem Haus.

 

Naturhistoriska Riksmuseet

Etwas außerhalb, aber mit der U-Bahn bis Universität super zu erreichen, liegt das Naturhistorische Museum. Riesengroß und auf mehreren Etagen verteilt, viel aus den Sammlungen von Botaniker Linné, aber eben auch zu den Themen Umwelt, Universum und: Dinosaurier. Hier war unser Dinofan natürlich ganz begeistert. Auch wenn es weniger echte Knochen als Nachbauten zu bestaunen gab, so war es für den geneigten Dinofan doch toll anzuschauen. Picknickecke, Restaurant, überall Rampen- man merkt, dass das Museum auf Kinder eingestellt ist. Gerade bei schlechtem Wetter lohnt sich der Abstecher hier hin allemal, zumal der Unicampus drumherum auch zu einem Spaziergang einlädt, falls es dann doch noch aufklart.

 

Essen und Trinken

„Die Schweden“ (das wollen wir nicht verallgemeinern, sondern sprechen von unseren subjektiven Beobachtungen und Gesprächen mit unseren schwedischen Freunden) essen bedacht: Mittags Salat mit Smörebrod, viel Fisch. Natürlich ist in Stockholm auch ein Burger mit Pommes zu bekommen, Köttbollar mit Kartoffelpüree muss auch mal sein und ein Kanelbullar zur Fika (schwedische Kaffeepause) gehört auch einfach dazu. Da sie sich aber so viel bewegen (Radfahrerstadt! und viel gelaufen/ gejoggt wird auch) sieht man ihnen die Plunderkalorien nicht an ;-)! Da können wir uns definitiv eine Scheibe abschneiden.

Wir empfehlen also neben den Klassikern wie Köttbollar und Kanelbulle, ein schönes Stück Lachs zu probieren, gerne mit einem schwedischen Bier runterspülen, wobei Alkohol in Schweden teuer ist. Eine Holunderlimo ist auch lecker. Für die Selbstversorger gibt es in den Supermärkten (auch fürs Baby) ansonsten alles, was man alltäglich benötigt und außer Fleisch und Alkohol sind die Preise sehr ähnlich wie in Deutschland.

 

Auf jeden Fall: Schön war’s. Macht es auch. Stockholm ist eine Reise wert, auch und vor allem mit Kindern!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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